Dem Dankbaren zeigt Gott den Weg zu seinem Heil.

(Dietrich Bonhoeffer)


05.01.2012 | Weltverfolgungsindex 2012 von Open Doors erschienen

Nordkorea bleibt an der Spitze – Starke Zunahme in Nigeria, Ägypten und Sudan

Nordkorea hält einen traurigen Rekord: Zum zehnten Mal in Folge führt die abgeschottete Nation die Rangliste der Länder an, in denen Christen weltweit am stärksten verfolgt werden. Afghanistan und Saudi-Arabien folgen auf den Rängen 2 und 3 des Weltverfolgungsindex 2012 (WVI), den das Hilfswerk für verfolgte Christen Open Doors am Mittwoch den 04.01.2012 veröffentlichte.

Nach einem Jahr anhaltender Gewaltakte und Mordanschläge gegen Christen ist Nigeria von Rang 23 auf 13 vorgestossen. Der Islam ist in neun der ersten zehn Länder des WVI 2012 die Religion der Mehrheitsbevölkerung; in fünf davon hat sich die Lage für Christen verschlechtert, in einem ist sie gleich geblieben. Afghanistan (2), Saudi Arabien (3), Somalia (4), Iran (5) und die Maldiven (6) sind Länder, in denen Christen so gut wie keine Freiheit haben. Erstmals gelangt Pakistan (10) in die Top 10, nachdem der höchstrangierte Christ des Landes, Shahbaz Bhatti, Minister für Minderheiten, am 2. März 2011 ermordet wurde. Er hatte sich für eine Änderung des Blasphemiegesetzes stark gemacht.

Gerade Menschen, die sich vom Islam abwenden und sich für einen anderen Glauben entscheiden, stehen vor erheblichen Problemen. Zum Christentum konvertierte Menschen erleben Verfolgung und Unterdrückung durch Extremisten, die Regierung, ihr Dorf und von der eigenen Familie.

«Arabischer Winter»

Viele hofften, der «Arabische Frühling» bringe Freiheit, auch für die religiösen Minderheiten. Dies aber ist nicht eingetroffen, eher das Gegenteil ist der Fall und man spricht schon vom «Arabischen Winter».

Die ägyptischen Christen erlitten einen äusserst gewaltvollen Jahresbeginn, als vor einer Kirche in Alexandria 21 Menschen ums Leben kamen, die gerade einen Silvester-Gottesdienst verliessen. Als der Autokrat Hosni Mubarak im Februar sein Amt abgeben musste, wuchs die Hoffnung auf Freiheit für alle Ägypter. Doch bald zeigte sich, dass auf die Minderheit kein Frühling wartet, so etwa durch den Angriff auf das Kloster Anba-Bishoy (23. Februar), das Niederbrennen der Kirche in Imbaba, Kairo (7. Mai), gefolgt vom Massaker an demonstrierenden Kopten in Maspiro, Kairo (9. Oktober). Dazu kommen – nach wie vor – stetige Entführungen junger Koptinnen durch Extremisten. Durch den Wahlsieg der Islamisten verlieren freiheitlich gesinnte Ägypter ebenfalls an Boden.

Sudan und Nigeria: Forderung nach Scharia

Einige Länder haben sich auf der Indexliste deutlich verschoben, darunter der Sudan, der um 19 Plätze auf Rang 16 vorgestossen ist, sowie die erwähnten Nigeria (um 10 Positionen) und Ägypten (um 4 Positionen). Im Juli 2011 wurde der Südsudan eine eigenständige Nation mit einer christlichen Mehrheit, die Christen im Norden, im Sudan, sind seither deutlich isolierter. Präsident Omar el-Bashir ist bestrebt, einen islamischen Gottesstaat, den ersten in Afrika, einzuführen. Seit der Abspaltung des Südsudan wurden Dutzende Christen ermordet. Nigeria ist weiterhin das Land mit den schlimmsten Gräueln, was die Zahl der Todesopfer anbelangt. Weit über 300 Christen verloren einzig aufgrund ihres Glaubens ihr Leben im vergangenen Jahr, manche von ihnen bei den Wahlen im April als ein christlicher Präsident gewählt wurde. Seit 2009 wurden von extremen islamischen Gruppen mehr als 50 Kirchen niedergebrannt und gezielt zehn Pastoren umgebracht. Und die extremistische Boko-Haram- Sekte fordert, dass die Scharia im ganzen Land gilt, also auch im christlichen Süden.

Nordkorea bleibt vorne

Nordkorea ist ohne Frage auf dem vordersten Rang geblieben. Eine Quasireligion wurde um den Staatsgründer Kim Il sung und seinen kürzlich verstorbenen Sohn Kim Jong-il aufgebaut. Jeder, der einem «anderen Gott» nachfolgt, wird automatisch unterdrückt. Die meisten der geschätzten 400'000 Christen leben unentdeckt im Untergrund, bis zu 70'000 Christen leben in grauenhaften Straf- und Arbeitslagern inhaftiert, die in den letzten Monaten laut Satellitenbildern ausgebaut wurden. Werden Christen entdeckt, werden sie in solche Lager gebracht oder im schlimmsten Fall direkt hingerichtet.

Christen in China am meisten betroffen

Die zahlenmässig grösste verfolgte Kirche war auch im vergangenen Jahr in China, mit rund 80 Millionen Christen, von denen der grössere Teil seinen Glauben nach wie vor nicht frei leben kann. China ist von Rang 16 auf 21 gerutscht, nicht weil es sich verbessert hätte (wie auf dem Index 2011 kommt China auf 48,5 Prozentpunkte), sondern weil sich die Lage in mehreren Ländern verschlechtert hat. Aus langer Erfahrung kennen die chinesischen Christen die ungeschriebenen Gesetze, wie man das Interesse der Behörden nicht zu stark auf sich zieht. Deshalb hat sich ihre Lage zumindest nicht verschlechtert; auf dem Index 2010 hatte China noch 51,5 Punkte und vor zehn Jahren sogar 58,5.

Hier werden Christen am stärksten verfolgt:

Platz 1 Nordkorea (Vorjahr: 1)

Platz 2 Afghanistan (Vorjahr: 3)

Platz 3 Saudi-Arabien (Vorjahr: 4)

Platz 4 Somalia (Vorjahr: 5)

Platz 5 Iran (Vorjahr: 2)

Platz 6 Malediven (Vorjahr: 6)

Platz 7 Usbekistan (Vorjahr: 9)

Platz 8 Jemen (Vorjahr: 7)

Platz 9 Irak (Vorjahr: 8)

Platz 10 Pakistan (Vorjahr: 11)

Über 100 Millionen Menschen werden nach Einschätzungen des überkonfessionellen christlichen Hilfswerkes Open Doors weltweit aufgrund ihres christlichen Glaubens verfolgt. Mit dem jährlich erscheinenden Weltverfolgungsindex beleuchtet das Werk die Situation verfolgter Christen in 50 Ländern. Dazu führt Open Doors Befragungen vor Ort durch, wertet Berichte zu Übergriffen und Experteneinschätzungen aus. Der Index berücksichtigt die Situation zwischen 1. September 2010 und 31. Oktober 2011.

Verfolgung hat zugenommen

«Die Verfolgung hat sich im letzten Jahr allgemein verstärkt», analysiert Eric Lecomte, Leiter von Open Doors Schweiz. «Open Doors wird seine Hilfe an die verfolgten Christen ausbauen. Wir danken allen Kirchen, Medienschaffenden, Politikern und Einzelpersonen, die Ihre Stimme gegen diese Verletzungen der Menschenrechte erheben.»

Open Doors Schweiz ist Partner der Österreichischen Evangelischen Allianz. Der Leiter für Öffentlichkeitsarbeit in Österreich, Kurt Igler, ist ausserdem Teil des Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA.

Quelle: Open Doors Schweiz