| 09.10.2009 | Kasachstan: Warum wollen die Behörden Rehabilitationszentrum schließen? |
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Die Behörden im Bezirk Beskaragai im Osten Kasachstans scheinen fest entschlossen, die Arbeit protestantischer Christen unter Drogenabhängigen zu unterbinden. Das „Geistliche Zentrum für die Rehabilitation von Drogensüchtigen und Alkoholikern“ im Dorf Stekljanka wurde durch einen Gerichtsbeschluss von Januar 2009 für sechs Monate geschlossen und gegen den Gründer und Leiter Sergei Mironov wurde eine Geldstrafe verhängt. Seit diesem Zeitpunkt hat das Büro des Bezirksanwalts mehrere Straf- und Verwaltungsverfahren gegen ihn angestrengt. Jetzt wurde das Zentrum endgültig geschlossen. Mironov, der versuchen will, das Rehabilitationsprojekt fortzusetzen, betonte, dass die Behörden gefälschte Beweismittel verwenden. Das Geistliche Zentrum wurde von Mironov gegründet und im Oktober 2006 von der regionalen Justizabteilung als Verein eingetragen. Das Hauptziel dieses Vereins ist nach dessen Statuten die soziale und geistliche Rehabilitation von Drogensüchtigen und Alkoholikern. Das Zentrum, in dem die betreuten Personen auch leben, beabsichtigt die Erreichung dieses Ziels durch psychologische, rechtliche und soziale Hilfe für Menschen in Krisensituationen und durch die Schaffung der erforderlichen Bedingungen zur Wiedereingliederung der Betreuten in ihre Familien und in die Gesellschaft. Die betreuten Personen befanden sich freiwillig in dem Zentrum und konnten dieses auch jederzeit wieder verlassen. Niemand wurde unter Druck gesetzt, Christ zu werden. Eine Beamtin, die mit der Arbeit des Zentrums vertraut ist, ist Kulpash Mukhamedkalieva von der Abteilung Sozialpolitik der Bezirksverwaltung von Beskaragai. Sie erklärte im März gegenüber Forum 18: „Wir haben nichts gegen Sergei Mironov und seine Arbeit“, weiters erklärte sie, dass keine Gesetzesverstöße bekannt warben. Die Beamtin zeigte sich überrascht über die vorübergehende Schließung im Januar und vermutete, dass diese auf die enge räumliche Situation zurückzuführen sein könnte. Als man ihr mitteilte, dass das Zentrum geschlossen worden war, weil die dort lebenden Gäste miteinander gebetet hatten, meinte sie: „Lasst sie beten, ich weiß nicht, ob das richtig oder falsch ist.“ Als Forum 18 im Oktober erneut Kontakt zu Mukhamedkalieva aufnehmen wollte, war weder sie noch ein anderer Mitarbeiter ihrer Abteilung bereit, irgendwelche Fragen zu beantworten.Im Januar hatte man dem Zentrum unter Berufung auf Artikel 374, Abs. 2 des Verwaltungsgesetzbuchs religiöse Aktivitäten ohne staatliche Registrierung und die Bekehrung von Rehagästen zum Christentum vorgeworfen. Mironov wurde mit einer Geldstrafe belegt und das Zentrum für 6 Monate geschlossen. Am 2. September wurde Mironov erneut vor Gericht gestellt, mit einer hohen Geldstrafe belegt und das Zentrum permanent geschlossen. „Wir haben Mironov im Januar gesagt, dass er nicht als Verein weiterarbeiten kann“, erklärte Bakhytzan Mambetov von der regionalen Anklagebehörden. Er behauptete, man hätte das Zentrum als religiöse Organisation registrieren lassen sollen und dass Mironov seine Aktivitäten während der Zeit der vorübergehenden Schließung absichtlich fortgesetzt hätte. Dies wurde als Grund für das endgültige Verbot angegeben.Mironov erklärte gegenüber Forum 18, dass er das Urteil angefochten hat. Die Berufungsverhandlung fand ohne sein Wissen am 28. September statt. Er erfuhr erst am Tag darauf durch einen gewöhnlichen Brief von dem Gerichtstermin und hat seither nichts mehr vom Gericht gehört. Das endgültige Verbot kam nach einer Razzia vom 22. August, an der 25 bewaffnete Beamte beteiligt waren. Bewohner des Zentrums und einige Besucher mussten zwei Stunden mit erhobenen Händen ausharren. Einige Männer, laut eigenen Angaben Beamte der Kriminalpolizei, durchsuchten das Gebäude. „Im Zuge der Durchsuchung fanden sie Serikbol Bekmukhammetov, einen Rehagast des Zentrums, mit Handschellen gefesselt im Keller des Gebäudes,“ berichtete Mironov. Danach wurden alle Anwesenden zur Polizeistation von Semey, etwa 20 km vom Rehabilitationszentrum, gebracht. Dort wurden sie von 12 Uhr Mittag bis gegen 23 Uhr festgehalten und einzeln befragt. Mironov berichtet, die Rehagäste hätten ihm gesagt, dass man sie zwingen wollte, belastenden Aussagen gegen ihn zu machen. Für Mironov ist es offensichtlich, dass die „Auffindung“ des gefesselten Bekmukhammetov von der Polizei organisiert wurde. „Ich habe absolut keine Ahnung, wie er mit Handschellen gefesselt wurde, und er war definitiv nicht zwei Tage in dem Keller“. Genau das wird Mironov vorgeworfen und ist Gegenstand einer Strafanzeige wegen Freiheitsberaubung, wegen der Mironov ein neuer Prozess droht. Die Behörden behaupten, Mironov hätte Bekmukhammetov in den Keller gesperrt, weil er sich geweigert hätte, zu arbeiten. Weiters behaupteten die Behörden, man hätte die Gäste des Rehazentrums zum Zweck der persönlichen Bereicherung der Betreiber arbeiten lassen. Laut Angaben Mironovs war der angeblich 2 Tage lang Gefesselte noch wenige Minuten vor Eintreffen der Polizei mit den anderen Rehagästen und Besuchern des Zentrums am Frühstückstisch. Außerdem gibt es ein mit einem Handy aufgenommenes datiertes Foto vom 21. August, das Bekmukhammetov zeigt, dieses wurde von Mironovs Anwalt als Beweis vorgelegt, dass die Anschuldungen, er sei zwei Tage gefesselt im Keller gewesen, falsch sein müssen. Auch zwei Gäste, die das Zentrum am 21. August besuchten, bestätigen, dass sie Bekmukhammetov gesehen haben, und dass er am Abend, als sie das Zentrum verließen, das Tor hinter ihnen geschlossen hat. Forum 18 hatte Gelegenheit, mit früheren Rehagästen des Zentrums zu sprechen. Olga Ivashina berichtet, dass sie niemals irgendwelche Bestrafungen gesehen hat. Schon gar nicht sei jemand der Freiheit beraubt worden. „Es gibt keine Strafen im Zentrum, nur die Bedingung, dass derjenige, dem die Regeln nicht gefallen, aus freiem Willen weggehen kann.“ Zu den Regeln gehört Rauch- und Alkoholverbot, keine außerehelichen sexuellen Beziehungen, die Pflicht sich abzumelden, wenn man hinausgeht. „Wenn Menschen zur Behandlung kommen, gefallen manchen die Regeln vielleicht am Anfang nicht, aber weil sie freiwillig kommen, um ihr Problem los zu werden, nehmen sie die Regeln als etwas Natürliches an“. Mironov wird von ehemaligen Rehagästen als freundlich, pädagogisch begabt und engagiert beschrieben. Von der nationalen Nachrichtenagentur Kazinform hingegen wurden Meldungen publiziert, Mironov habe Bekmukhammetov gefesselt, weil sich dieser geweigert habe, für ihn zu arbeiten. Weiters wird behauptet, die Rehagäste wären als kostenlose Arbeitskräfte zum persönlichen Nutzen Mironovs eingesetzt worden. Quelle: Forum 18 News Service, Oslo |





