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Datum: 24.05.2023

Als wir uns 2017 über die nächsten Jahre der Evangelischen Allianz in Österreich Gedanken machten, träumten wir gemeinsam davon, dass Christen ein neues Miteinander lernen. Es war der Wunsch, dass durch eine tiefe Demut der Herzen und durch Respekt und Wertschätzung füreinander, im Blick auf Jesus Christus, der Dienst in unserem Land gefördert wird. Dabei war der zentrale Punkt, der dieses Miteinander möglich macht, die Ausrichtung auf Jesus Christus hin. Genauso wie die Narbe an einer Radfelge im Zentrum alles verbindet, kommen wir zu Jesus Christus hinwachsend, einander immer näher.

In den vergangenen Jahren wurden wir mit Herausforderungen konfrontiert, die uns Christen gerüttelt und geschüttelt haben. Anstelle von Ergänzung und Wertschätzung gab es Lagerbildung, Abgrenzung, Angst und Antriebslosigkeit. Viele gesellschaftliche Risse kamen ans Licht. Die Gräben schienen sich zu vergrößern. Und anstatt zusammenzurücken sind viele eher auseinandergerückt. Verunsicherung trübte den Blick. Zweifel mischten sich in das Vertrauen. Und Uneinigkeit verdrängte das Miteinander. Es war erschreckend und traurig zu sehen, wie diese Spaltung auch vor den Jesus-Nachfolgern nicht Halt machte. 

Was muss sich ändern? Was brauchen wir, damit gelebte Einheit im Blick auf Jesus Christus entsteht? Wir brauchen Vertrauen zueinander. Aber um zu vertrauen, müssen wir einander kennenlernen. In dem demütigen Bewusstsein, dass wir durch unsere Biografie und unsere Erfahrungen geprägt sind, und in dem Bewusstsein, dass wir alle auf dem Weg sind und Wachstumspotential da ist, können wir auf Menschen zugehen.  Menschen, die mit einer ganz anderen Geschichte ihren Glaubensweg gefunden haben und genauso wie wir, ihren Lebensweg mit Jesus Christus gehen möchten.   

In den drei Jahren, in denen Jesus mit den Jüngern unterwegs war und sie lehrte, versäumte er nicht, zu zeigen, dass es im Glauben um den lebendigen Gott geht und nicht nur um uns. Darum betete er für die Jünger, die seiner Lehre gefolgt waren und die das Zeugnis Jesu gesehen hatten, dass sie eins seien mögen. So leicht, wusste Jesus, passiert Spaltung im Leib Christi und so schwer bleibt Einheit erhalten. Diese aber dient dazu, dass der Vater im Himmel groß gemacht wird.   

Als Evangelische Allianz laden wir über die Gemeindegrenzen hinaus zum gemeinsamen Gebet ein. Wir ermutigen einander, uns auf Jesus Christus auszurichten, und IHM die Ehre zu geben. Wir laden dazu ein, uns der gewaltigen Hand Gottes unterzuordnen, der uns bis hierhergebracht hat. Nur in großer Demut, in der Erkenntnis, wie unverdient wir geliebt sind, können wir den anderen höher achten als uns selber.  

Die gemeinsame Glaubensbasis der EA, die auf der Basis der Heiligen Schrift geschaffen wurde, schafft den Raum, in dem wir uns treffen, weil die Erkenntnis der Wahrheit Jesu uns über die Gemeindegrenzen hinweg verbindet. Ja, wir können voneinander lernen, wenn wir einander mit großem Respekt und Achtung begegnen.  Dieser neu gewachsene Umgang setzt uns frei von der Falle des vernichtenden Urteils, das uns aufgrund der eigenen Erkenntnis über den anderen überhebt und lähmt, zu Christus hinzuwachsen. In unserem befreiten Umgang miteinander entsteht etwas, das uns zum Segen dient, da wir zu der großen Gemeinde Jesu Christi hinbewegt werden. Möge der lebendige Gott uns segnen und zum Segen setzen! 

Autor: Hans Widmann, Vorsitzender der Österreichischen Evangelischen Allianz und Leiter des Bibellesebund Österreich

Diesen und weitere Beiträge zum Thema "Einheit leben" finden Sie im Allianspiegel 143 

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