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Datum: 28.05.2019

Bericht vom 3. Nationalen Gebetsfrühstück am 28.5.2019 in der Wiener Hofburg.

„Nur nicht die Ohren hängen lassen! Nie! Denn es wird regiert.“

Das soll der Schweizer Theologe Karl Barth am Vorabend seines Todes zu einem Freund gesagt haben.

Dass unser Gott regiert, das wurde am Dienstag, den 28.5., beim Nationalen Gebetsfrühstück in der Hofburg so deutlich spürbar wie selten.

Gründe, die Ohren hängen zu lassen, hatten wir Österreicher Ende Mai ja genug. Der Vizekanzler zurückgetreten, die Koalition zerbrochen, der Kanzler und seine ganze Regierung durch ein Misstrauensvotum abgesetzt – so schnell kann politische Macht ins Wanken kommen, sich verlagern, oder durch ein Machtvakuum abgelöst werden. Aber: es wird regiert.

Ganz oben, unter dem Dach der Hofburg, über Präsidialamt und Nationalrat, hatten sich rund 250 Christen aus 4 Parlamentsfraktionen, 25 Nationen und 20 Konfessionen zusammengefunden, um dem die Aufwartung zu machen, „dessen Reich unvergänglich“ ist und dessen „Herrschaft kein Ende“ hat (Daniel 6,27). Unter uns das (politische) Chaos, über uns nur der Himmel, in dem der wahre Machthaber thront. Der Nationalratspräsident las Psalm 23: Der Herr ist mein Hirte. Altabt Gregor Henckel-Donnersmarck sprach über die Worte Jesu aus der Bergpredigt: „Liebt eure Feinde; tut wohl denen, die euch hassen“. Der deutsche Arzt und Autor Manfred Lütz hob die Bedeutung des christlichen Glaubens als Grundlage der europäischen Kultur hervor. Der Sonderbeauftragte der EU für Religionsfreiheit, Jan Figel, trat mit einer Fürbitte für die verfolgten Christen ein. Die KISI sangen ein Lied des Bekenntnisses zum Glauben an den einen und dreieinigen Gott. Gemeinsam beteten wir das Vaterunser und sangen zum Abschluss „Großer Gott, wir loben dich“.

Was für ein Kontrast – und was für ein Trost! Ja, das Reich unseres Gottes ist unvergänglich, und seine Herrschaft hat kein Ende – und unter seiner Herrschaft können Menschen gemeinsam singen, gemeinsam beten, und sich, wie am 28.5. in der Hofburg geschehen, die Arme um die Schultern legen, auch wenn ihre Parteiführer gerade einen politischen Kleinkrieg hinter sich haben.

Es wird regiert – in alle Ewigkeit. Und unter dieser Herrschaft wird ewiger Friede sein. Dass wir das an jenem Dienstag erleben durften, war eine wunderbare Vorwegnahme dieses Friedens und ein kräftiges Zeugnis vor der sichtbaren und der unsichtbaren Welt. Und ich durfte dabei sein, an meinem Geburtstag.

 

Autor: Kurt Igler