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Datum: 18.08.2020

Die katholische Kirche der Heiligen Simon und Helena im Zentrum von Minsk, unter den Bewohnern der Hauptstadt wegen der Farbe des Backsteinbaus als Rote Kirche bekannt, wurde 1910 errichtet und später von den sowjetischen Behörden beschlagnahmt. Ab 1990 durfte die Katholiken das Gebäude, das nach wie vor Staatseigentum ist, wieder benutzen. Nun behaupten die Minsker Stadtbehörden, für die Renovierung des Kirchengebäudes 5 Millionen weißrussische Rubel, das sind etwa 1,7 Millionen Euro, aufgewendet zu haben. Sie fordern nun die Zahlung von 13.000 weißrussischen Rubel, umgerechnet 4.500 Euro pro Monat von der Pfarrgemeinde. Der Pfarrer der Gemeinde, Stanislav Stanevsky stellte bei einem Gespräch mit der unabhängigen Presseagentur Naviny.by die Frage: „Weshalb sollten wir dem Staat 13.000 Rubel im Monat zahlen, um in unserer eigenen Kirche zu beten?“

Personen aus der Pfarre haben gegenüber Forum 18 erklärt, dass die durchzuführenden Arbeiten nicht mit den Behörden abgesprochen waren. Spätestens ab 2015 hätte man die Behörden informiert, dass die Unterkirche regelmäßig von Regenwasser überflutet würde, was Schaden an der Struktur des Bauwerks verursachte. Dies ist das schwerwiegendste Problem für das Gebäude, wurde aber ebenso wenig behoben, wie verschiedene andere Probleme auf die die Behörden hingewiesen wurden.
Man nimmt an, dass die Behörden hauptsächlich Arbeiten zur äußeren Verschönerung des Gebäudes im Hinblick auf die Touristen veranlassten, z.B. für die Besucher der Europaspiele, sportlicher Wettkämpfe mit olympischem Charakter, im Juni 2019. Der Pfarrgemeinde wurde vor Ausführung der Arbeiten auch nicht mitgeteilt, wie viel sie dafür bezahlen müsste. „Es sieht so aus, als ob der Staat die Pfarrgemeinde in hohe Schulden stürzen wollte und jetzt verlangt er, dass wir sie bezahlen“, erklärten Katholiken gegenüber Forum 18.

Die städtische Immobilienverwaltung von Minsk war zu keiner Stellungnahme bereit. Juri Stanko von der katholischen Bischofskonferenz erklärte, man würde zunächst versuchen, die Situation auf dem Verhandlungsweg zu klären und keinesfalls sofort rechtliche Schritte einleiten. Der mit der Situation vertraute Rechtsanwalt Maksim Kovalev, meinte jedoch, die seit 2019 geführten Gespräche über die Angelegenheit zwischen der Pfarrgemeinde und den Behörden erinnerten ihn an ein Pingpongspiel. Die Behörden weigern sich nach wie vor, zuletzt im Juni 2020, das Eigentumsrecht an der Roten Kirche an die ursprünglichen Eigentümer, d.h. die Pfarre zurück zu übertragen. 

Quelle: Forum 18, Oslo (Meldung vom 12. August 2020)

Deutsche Fassung: Arbeitskreis Religionsfreiheit der ÖEA

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