Dieser Absatz hat so viel Sprengkraft.
- Gibt es objektive Schuld und Sünde, oder ist das eine relative Wirklichkeit, die von jedem anders empfunden wird?
- Sind wir als Mann und Frau geschaffen, oder ist das nur ein soziales Konstrukt – eine veraltete Vorstellung, die nur dazu da ist, um uns in Rollenbilder zu zwängen? Kann es eine Gleichwertigkeit auch bei unterschiedlichen Aufgaben und Rollen geben?
- Was bedeutet es, als Mensch Würde zu haben? Woraus resultiert diese und wovon hängt sie ab?
Diese Grundpfeiler unseres Glaubens werden heute von vielen Seiten in Frage gestellt – vielleicht, weil wir als Christen der Überzeugung sind, dass wir im Ebenbild Gottes geschaffen sind und der aktuelle Zeitgeist das nicht annehmen will. Wenn diese Ebenbildlichkeit aus unserem Menschenbild verschwindet, fällt auch die Grundlage unserer unverwechselbaren Würde weg. Dann verlieren wir den Blick für die Weisheit Gottes, der es gut fand, uns als Mann und Frau zu schaffen – unterschiedlich, aber aufeinander angewiesen. Und dann verstehen wir nicht mehr, dass wir sowohl als Einheit als auch als einzelne Menschen Gott widerspiegeln.
Nur wenn es einen Schöpfergott gibt, kann es eine absolute Wahrheit geben – ein wirkliches Richtig und Falsch. Nur dann existieren objektive Schuld und Sünde. Und nur dann macht Erlösung Sinn.
So zeigt dieser Abschnitt unserer fast 180 Jahre alten Glaubensbasis eine beeindruckende Aktualität – und es gibt gute Gründe, an diesen Aussagen festzuhalten. Das wird auch in den Artikeln dieser Ausgabe deutlich: Sie beleuchten das Thema aus verschiedenen Blickwinkeln, fokussieren sich auf unterschiedliche Aspekte und ergänzen sich doch wieder.
Ende Mai konnten wir zudem feiern, dass es seit inzwischen 50 Jahren nicht nur regionale, sondern auch eine nationale Evangelische Allianz in Österreich gibt. Eine gute Gelegenheit, zurückzublicken und zu fragen, wie wir uns für die Zukunft rüsten können. Den ausführlichen Bericht dazu findet ihr auf Seite 16.
Ein Beispiel für ein zukunftsweisendes Projekt stellen wir im Artikel „Herzensanliegen teilen“ vor (Seite 20). Außerdem schauen wir, was uns als Christen die Spieltheorie zu sagen hat – und warum wir deswegen schon heute in Einheit investieren sollten (Seite 19).
Ich lade euch ein, euch auch in diesem Jahr am Sonntag für verfolgte Kirche zu beteiligen. Das Gebetsheft dazu findet ihr wie gewohnt in der Heftmitte ab Seite 21.
Darüber hinaus erwarten euch zahlreiche Veranstaltungsberichte, Buchtipps und Termine – es lohnt sich, dafür bis zum Ende des Allianzspiegels zu blättern.
Möge dieser Allianzspiegel dazu beitragen, dass wir alle den Schatz unserer Glaubensfundamente neu entdecken.
In Jesus verbunden,
Oliver Stozek
Generalsekretär der Evangelischen Allianz Österreich