Liebe Freunde des Allianzspiegels,
„Jeder hat ein Recht auf meine Meinung“ – so stellen sich manche Einheit vor. Doch mit sich selbst eins zu sein, ist keine große Kunst. Wirkliche Einheit beginnt, wo andere mitdenken, mitbeten, widersprechen und gemeinsam Verantwortung tragen.
Genau deshalb ist Einheit der Kern der Evangelischen Allianz – vor Ort, in Arbeitskreisen, mit Partnern, im Büro und im Vorstand.
Darum freue ich mich sehr, dass Andrea Sturm-Lauter in dieser Ausgabe ein eigenes Wort an euch richtet. So könnt ihr direkt lesen, was Andrea und den Vorstand bewegt und wie wir Einheit verantwortlich leben wollen.
Unsere Glaubensbasis erinnert im sechsten Abschnitt daran: Die Gemeinde ist Ausdruck und Lebensform der Einheit. Jesus selbst baut seine Gemeinde – auch durch uns. Mehr dazu schreibt Andrea in ihrem Vorwort.
Beim Zusammenstellen dieses Heftes staune ich wieder, wie viel Gott in Bewegung setzt: Ratsversammlung und Vorsitzwechsel, 180 Jahre Evangelische Allianz, Entwicklungen im Team und neue Möglichkeiten zum Mitmachen und Vernetzen.
Der Sonntag für verfolgte Kirche steht vor der Tür. Über 380 Millionen Christen weltweit erleben Verfolgung und Druck. Material dazu findet ihr in diesem Heft. Nutzt den Tag: Kommt zusammen, betet und steht für sie ein.
Ein heißer Herbst erwartet uns: Beim Marsch für Jesus am 19. September werden zwischen 10.000 und 15.000 Christen in Wien zusammenkommen. Mit LEAD startet eine Leiterschaftskonferenz für den ganzen Leib Christi. Leiter lernen einander kennen, stehen gemeinsam vor Gott und lassen Gott an ihrem Charakter arbeiten. Genau dort wächst Einheit.
Ich wünsche euch, dass dieses Heft neu staunen lässt – über Gottes Wirken und darüber, Einheit mitzugestalten.
In Jesus verbunden,
Oliver Stozek
Ein Leib – ist dieses Bild heute noch tragfähig?
Ich freue mich, an dieser Stelle erstmals als Vorsitzende der Evangelischen Allianz Österreich ein paar Gedanken mit euch zu teilen. Das Bild vom Leib beschäftigt mich, weil es so vertraut wirkt – und dann bei näherem Hinsehen ziemlich anspruchsvoll wird.
Punkt sechs der Glaubensbasis der Evangelischen Allianz befasst sich mit der Gemeinde und mit den Aufgaben, die Christen nicht als Einzelkämpfer, sondern miteinander erfüllen. Manche nennen die Vielfalt der Christenheit Zersplitterung. Andere bevorzugen den „Einzelleib“ im stillen Kämmerlein.
Aber das biblische Bild ist störrischer: EIN Leib. Der menschliche Körper fasziniert mich seit jeher – sein Werden, seine Vielfältigkeit, das Zusammenspiel der Organe. So bodenständig dieses Bild auch sein mag, so wenig hat sich mir von Anfang an erschlossen, was das mit Gemeinde zu tun hat. Immerhin sind wir als Leib Christi mit allen verbunden, die zu Christus gehören: weltweit, geschichtlich, über Kulturen, Milieus und Denominationen hinweg.
Gemeinsames Handeln ist deshalb keine freiwillige Zusatzoption für besonders Allianzbegeisterte, sondern gehört zum Kern der Guten Nachricht. Durch die Gemeinde wird Gottes Handeln seit Jahrhunderten auf besondere Weise sichtbar – weniger leicht zu fassen als der eigene Körper, aber ebenso real.
Ach ja, und dann war da noch die Braut, die andere Beschreibung für Gemeinde. Als hätten wir mit dem Leib nicht schon genug zu tun. Diese Einheit nicht nur zu denken, sondern zu leben, gehört von Anfang an zur DNA der Evangelischen Allianz. Das war nie einfach, und es bleibt herausfordernd. Aber genau das ist unser Auftrag: nicht kleiner zu denken, als Gott verbindet. Gott hat eben nur einen Leib – und eine Braut, keinen Harem. Und ich wünsche mir, dass wir diese Verbundenheit als Evangelische Allianz sichtbar leben.
Herzliche Grüße,
Andrea Sturm-Lauter