Der Ehrenkodex beschreibt die Werte und Maßstäbe, die unser Handeln als Evangelische Allianz in Österreich prägen. Er schafft Orientierung im Miteinander und nach außen und macht sichtbar, wofür wir stehen.
Wir geben uns diesen Ehrenkodex, damit unsere Zusammenarbeit nicht nur funktioniert, sondern Christus widerspiegelt.
Der Ehrenkodex der Evangelischen Allianz Österreich
Die Evangelische Allianz Österreich versteht sich seit ihrer Gründung als geistliche Bewegung, die Christen verschiedener Traditionen miteinander verbindet. Unsere Zusammenarbeit gründet auf der Glaubensbasis der weltweiten Evangelischen Allianz (1846 in London) und hat sich über viele Jahrzehnte hinweg als tragfähige Grundlage für geistliche Einheit und gemeinsame missionarische und diakonische Verantwortung bewährt.
Dieser Ehrenkodex ist eine aktualisierte Weiterentwicklung jener „Leitlinien der Zusammenarbeit“, die bereits im „Missionarischen Jahr 1984“ formuliert wurden und seitdem wesentlich dazu beigetragen haben, vertrauensvolle Kooperation zu ermöglichen und Spannungen vorzubeugen. Er orientiert sich außerdem am Dokument „Relationship Commitments“ der Evangelical Alliance UK, das wertvolle Impulse für eine evangeliumsgemäße Beziehungskultur liefert.
Unser Anliegen ist es, Gemeinden, Werke und einzelne Christen zu ermutigen, Beziehungen zu gestalten, die Christus widerspiegeln: verbindlich, liebevoll, wahrhaftig und getragen von der gemeinsamen Mission.
Wir bekräftigen
Gemeinsame Zugehörigkeit
- Wir heißen alle willkommen, die die Gnade der Wiedergeburt erfahren haben, und erkennen sie als Schwestern und Brüder an. Gemeinsam wollen wir in Gottesfurcht, Gotteserkenntnis und gehorsamer Nachfolge wachsen.
Vertrauen und Geschwisterlichkeit
- Wir anerkennen unsere christliche Pflicht, einander zu vertrauen, einander Raum zu geben und uns gegenseitig zu ermutigen – auch dann, wenn andere Christus dienen, ohne sich denselben Allianzen oder kirchlichen Zusammenschlüssen anzuschließen wie wir.
Vielfalt als Gabe
- Wir respektieren die Vielfalt geistlicher Prägungen, kultureller Hintergründe und theologischer Akzentsetzungen. Wir anerkennen, dass Unterschiede in nicht-heilsentscheidenden Fragen bestehen bleiben können, ohne die Einheit in Christus zu verletzen.
- Wir begegnen einander in einer Haltung der Achtung. Uns ist wichtig, auf unterschiedliche Ausdrucksformen des Glaubens Rücksicht zu nehmen.
Wir ermutigen
Gebet um Einheit
- Wir rufen alle Christen dazu auf, dem Gebet Jesu zu entsprechen: dass wir eins sind im Vater und im Sohn. Wir wollen Beziehungen fördern, die von Liebe, Frieden und echter Gemeinschaft geprägt sind.
Suche nach Wahrheit und Demut
- Wir ermutigen dazu, ernsthaft für biblische Wahrheit einzustehen und gleichzeitig offen zu bleiben für Korrektur und das Lernen voneinander. Dadurch wachsen wir gemeinsam in der Nachfolge Christi.
Verantwortungsvolle Kommunikation
- Bei Themen, die trennen könnten, bemühen wir uns um Demut, Selbstreflexion und eine Sprache, die von Liebe und Sanftmut geprägt ist.
- Bevor wir uns öffentlich zu Aussagen anderer Christen äußern, suchen wir das direkte Gespräch, klären Missverständnisse und wägen die Bedeutung möglicher Irrtümer sorgfältig ab.
Gemeinsame Mission
- Wir freuen uns über jede Verbreitung des Evangeliums und ermutigen Christen, unnötigen Wettbewerb zu vermeiden. Wo immer möglich, wollen wir zusammenarbeiten und das Reich Christi fördern – geprägt von Frieden, Gerechtigkeit und Heiligkeit, zur Ehre Gottes, des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes.
Grundsätze für die praktische Zusammenarbeit
1. Gegenseitiger Respekt
Wir verpflichten uns zu einem Umgang, der von Achtung und Wahrhaftigkeit geprägt ist.
Wir reden wertschätzend übereinander und gehen davon aus, dass andere in guter Absicht handeln.
Bei Konflikten suchen wir zuerst das persönliche Gespräch und sprechen Probleme direkt, respektvoll und zeitnah an. Wenn keine Einigung möglich ist, ziehen wir einvernehmlich eine neutrale Vermittlungsperson hinzu. Rechtsstreitigkeiten sollen – soweit möglich – vermieden werden.
2. Leitung und Verantwortung
Leitung verstehen wir als Dienst. Christus selbst ist unser Vorbild, der uns gelehrt hat, anderen die Füße zu waschen.
Daher verpflichten wir uns:
- Leitung in einer Haltung von Demut, Transparenz und Rechenschaft auszuüben,
- Entscheidungsprozesse klar, verständlich und nachvollziehbar zu gestalten,
- Mitarbeitende und Ehrenamtliche zu fördern, zu schützen und wertzuschätzen,
- ein Klima zu schaffen, in dem Feedback willkommen ist und Fehler eingestanden werden dürfen,
- Konflikte fair und offen zu bearbeiten,
- keine Form von Machtmissbrauch zu tolerieren.
So leben wir eine Führungskultur, die Christus ehrt und gesunde Strukturen und gegenseitiges Vertrauen fördert.
3. Umgang mit theologischen Unterschieden
Unsere gemeinsame Grundlage ist die Glaubensbasis der Evangelischen Allianz. In Fragen, die nicht heilsentscheidend sind, gestehen wir unterschiedliche Überzeugungen zu.
Darum verpflichten wir uns:
- theologische Unterschiede mit Respekt, Demut und Lernbereitschaft zu behandeln,
- kontroverse Fragen im persönlichen Gespräch zu klären; öffentliche und soziale Medien dafür nicht geeignet zu halten,
- niemanden aufgrund einzelner Lehraspekte abzuwerten, auszugrenzen oder zu isolieren.
- die Vielfalt im Leib Christi als Bereicherung zu sehen.
Wo wir theologisch ringen, wollen wir dies in Liebe tun – im Wissen, dass wir gemeinsam Christus nachfolgen.
4. Veranstaltungen und Projekte
Veranstaltungen bieten große Chancen für Evangelisation, Gemeinschaft und missionarische Wirkung. Gleichzeitig erfordern sie besondere Sorgfalt, weil sie das Zeugnis der Christenheit prägen und weitreichende Auswirkungen auf die Einheit haben können.
Breite Einbindung und gemeinsame Verantwortung
- Wir streben an, dass bei größeren Veranstaltungen möglichst viele Teile des Leibes Christi frühzeitig eingebunden werden – Kirchen, Freikirchen, Werke und Gemeinden unterschiedlicher Prägung.
- Ideen oder Initiativen, die über den eigenen Verantwortungsbereich hinausgehen, werden an die jeweils zuständige Leiterschaft weitergegeben. Diese übernimmt Prüfung und Verantwortung.
- Entscheidungen sollen gemeinsam getroffen werden; verbindliche Absprachen sind einzuhalten.
Sorgfältige gemeinschaftliche Prüfung
- Leiterschaft prüft sowohl geistliche und theologische als auch praktische, kulturelle und rechtliche Aspekte.
- Die österreichische Realität und Kultur sollen bei Format und Inhalt berücksichtigt werden. Dies gilt insbesondere für Importformate.
- Der Prozess soll Raum für Klärung, Beteiligung und gegenseitige Unterordnung bieten.
Achtung vor bestehenden Initiativen
- Wir achten auf bestehende Einheitsprozesse und missionarische Initiativen im Land.
- Zeitpunkt und Ausrichtung neuer Projekte sollen möglichst viele mitnehmen, statt zu trennen.
Gemeinsame Gestaltung
- Veranstaltungen sollen ein gemeinsames Werk des Leibes Christi vor Ort sein.
- Externe Partner und Projekte können eingebunden werden, sobald innerösterreichisch eine gemeinsame Grundlage gefunden wurde.
Koordinierung langfristiger Vorhaben
- Die Evangelische Allianz Österreich steht als koordinierende Stelle zur Verfügung, um Überschneidungen langfristiger Projekte zu vermeiden.
- Wir ermutigen Gemeinden und Werke, größere Vorhaben frühzeitig zu melden.
Einheit als geistlicher Schlüssel
- Wir betonen: Einheit ist ein zentraler Faktor, damit Menschen zum Glauben kommen.
- Wo die Einheit gefährdet ist, ist geistliche Zurückhaltung besser als großes Auftreten.
5. Öffentlichkeitsarbeit
Zielorientierung
Alle Kommunikation erfolgt im Einklang mit den statutarischen Zielen des jeweiligen Partners und in Verantwortung vor Gott.
Wahrhaftigkeit
Informationen müssen sachlich korrekt, transparent und aktuell sein; manipulative Darstellungen oder Übertreibungen sind zu vermeiden.
Eindeutige Identifizierbarkeit in der Öffentlichkeitsarbeit
Partner verwenden eindeutig voneinander unterscheidbare Logos und Bezeichnungen. Es wird nicht im Namen anderer Personen oder Organisationen gesprochen, es sei denn, dies geschieht ausdrücklich mit deren Zustimmung.
Krisenkommunikation
Da die Öffentlichkeit christliche Gruppen als Einheit wahrnimmt, sehen wir es als zielführend an, bei auftretenden Krisen kompetent und zeitnah zu reagieren. Die Evangelische Allianz Österreich bietet dafür eine Kommunikationsstelle an, die im Bereich Krisenkommunikation unterstützend tätig wird.
Transparenz und unverzügliche Information an den Generalsekretär der Evangelischen Allianz Österreich sind notwendig:
- bei medial relevanten Ereignissen, die auch auf andere ausstrahlen können,
- bei möglichen strafrechtlichen Vorfällen innerhalb einer Organisation.
Wir ermutigen dazu, ein Krisenkommunikationskonzept zu erstellen.
6. Umgang mit digitalen Medien
Digitale Kommunikation ist ein wichtiges Feld christlichen Zeugnisses. Deshalb wollen wir bewusst, verantwortungsvoll und würdevoll mit digitalen Medien umgehen.
Wahrhaftigkeit und Fairness
- Wir kommunizieren in digitalen Räumen – Social Media, Websites, Messenger-Diensten und E-Mails – wahrheitsgemäß, respektvoll und fair.
- Wir verbreiten nur geprüfte Informationen und verzichten darauf, Gerüchte weiterzugeben.
Schutz der Einheit und Glaubwürdigkeit
- Wir sind uns bewusst, dass digitale Äußerungen schnell auf die gesamte christliche Bewegung zurückwirken.
- Deshalb veröffentlichen wir Beiträge, die der Einheit dienen und das Evangelium nicht in Misskredit bringen.
- Kritik wird nach Möglichkeit direkt und persönlich geklärt, nicht öffentlich ausgetragen.
Achtsamer Umgang mit Bildern und personenbezogenen Daten
- Wir verwenden Fotos, Videos und persönliche Informationen nur mit berechtigter Grundlage.
- Besonders bei Minderjährigen und Schutzbedürftigen achten wir auf Würde, Sensibilität und Datenschutz.
Digitale Präsenz als christliches Zeugnis
- Unsere digitale Kommunikation soll Liebe, Geduld, Demut und Respekt widerspiegeln.
7. Spendenwesen und Datenschutz
Spendenwerbung
Spendenaufrufe sind sachlich, transparent und respektvoll. Jede Darstellung, die die Würde von Menschen verletzt oder Leid instrumentalisiert, wird vermieden.
Datenschutz
Wir verpflichten uns zur Einhaltung der geltenden Datenschutzgesetze, insbesondere der DSGVO, und gehen verantwortungsvoll mit Zugängen, Passwörtern und vertraulichen Daten um.
Wir schützen digitale Systeme vor Missbrauch und unbefugtem Zugriff.
Adressdaten von Spendern und Unterstützern werden nicht verkauft, getauscht oder ohne Rechtsgrundlage weitergegeben.
8. Finanzielle Integrität
Wir verstehen uns als Verwalter von Mitteln, die uns von Gott und Menschen anvertraut wurden. Daher verpflichten wir uns zu einem transparenten, gewissenhaften und treuen Umgang mit finanziellen Ressourcen.
Wir streben an:
- Spenden und Einnahmen zweckgemäß und nachvollziehbar zu verwenden,
- interne Kontrollmechanismen vorzusehen, die Missbrauch vorbeugen,
- Interessenkonflikte offenzulegen und zu vermeiden,
- finanzielle Entscheidungen verantwortungsvoll und transparent zu treffen,
- über Projekte klar zu informieren – auch wenn sich Rahmenbedingungen ändern oder Ziele nicht erreicht werden können,
- angemessene Vergütungsstrukturen ohne Raum für persönliche Bereicherung sicherzustellen.
Finanzielle Integrität stärkt Vertrauen und ist ein wesentlicher Teil unseres Zeugnisses.
9. Gewaltschutz
Wir glauben, dass jeder Mensch als Gottes Ebenbild Würde und Schutz verdient. Christliche Gemeinschaft hat eine besondere Verantwortung gegenüber allen Menschen, die in besonderer Weise schutz- und unterstützungsbedürftig sind, insbesondere Kindern, Jugendlichen, älteren Menschen, Menschen mit Beeinträchtigungen, Frauen, Menschen mit Migrationshintergrund sowie Angehörigen gesellschaftlicher Minderheiten.
Wir erwarten, dass alle Partner:
- ein wirksames Konzept zur Prävention von Gewalt, Missbrauch und Machtmissbrauch vorhalten oder entwickeln, das den Schutz besonders vulnerabler Personen berücksichtigt,
- klare, niederschwellige und unabhängige Ansprech- und Meldestellen benennen,
- Hinweise auf Grenzverletzungen oder Gewalt ernst nehmen und transparent bearbeiten,
- das Wohl und den Schutz der Betroffenen konsequent über institutionelle Interessen stellen.
Nur dort, wo eine gemeinsame Haltung zum Schutz vulnerabler Personen besteht, ist verlässliche Zusammenarbeit möglich.
Schlussbemerkung
Dieser Ehrenkodex soll Gemeinden, Werken und Einzelpersonen helfen, Beziehungen zu gestalten, die Christus widerspiegeln: wahrhaftig, liebevoll, verantwortungsvoll und getragen vom Wunsch, gemeinsam Zeugnis von seiner Wahrheit und Gnade zu geben.